Definition von sexueller Gewalt

Als sexuelle Gewalt gegen Kinder wird in der Fachszene jede sexuelle Handlung definiert, die an Mädchen und Jungen gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können. Der Täter/die Täterin nutzt dabei seine/ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Die Handlungen, die als sexuelle Gewalt bezeichnet werden, weisen eine große Bandbreite auf. Das reicht von sexuellen Übergriffen mittels verbaler sexueller Anspielungen oder Hilfestellungen des Sportlehrers, der die Gelegenheit nutzt, einen Schüler im Genitalbereich zu berühren, bis zu strafbaren sexuellen Handlungen am Körper des Kindes (hands-on) wie zum Beispiel Zungenküsse oder Manipulationen der Genitalien. Schwere Formen sexueller Gewalt umfassen orale, vaginale und anale Penetrationen. Es gibt auch strafbare Missbrauchshandlungen, die den Körper des Kindes nicht einbeziehen (hands-off), zum Beispiel wenn jemand vor einem Kind masturbiert, sich exhibitioniert oder dem Kind gezielt pornografische Darstellungen zeigt oder es auffordert, sexuelle Handlungen an sich – evtl. auch vor der Webcam – vorzunehmen. Welche Spuren sexuelle Gewalt hinterlässt und wie schwer die Folgen sind, hängt von vielen Faktoren ab. Studien zeigen, dass die Folgen umso schwerer sind, je massiver/intensiver die Tat war, je häufiger sie geschehen ist, je länger der Zeitraum war, innerhalb dessen sie geschehen ist, je vertrauter der Täter/die Täterin dem Kind ist, je länger es mit der Erfahrung allein bleibt ohne Hilfe zu finden, je mehr an der Glaubwürdigkeit des Kindes gezweifelt wird und je weniger Trost und Zuwendung es erhält.

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Ausmass und Dimension von Sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen

Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Die WHO geht von rund 18 Mio. Minderjährigen aus, die in Europa von sexueller Gewalt betroffen sind. Das sind auf Deutschland übertragen rund eine Million Mädchen und Jungen. Von etwa 13 Mio. Kindern und Jugendlichen insgesamt in Deutschland besuchen gut 8 Mio. eine allgemeinbildende Schule. Auf der Basis dieser Relation, müssen wir davon ausgehen, dass es ca. 600.000 betroffene Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen gibt, die sich auf ca. 400.000 Klassen verteilen. Bei einer durchschnittlichen Schülerzahl von 20 bedeutet dies, dass es in jeder Klasse mindestens ein bis zwei Kinder gibt, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Dabei reicht das Spektrum sexueller Gewalt (von Erwachsenen gegen Mädchen und Jungen) von sexuellen Übergriffen wie anzüglicher sexualisierter Sprache über strafbare sexuelle Handlungen wie das Anfassen der Genitalien bis zu schwerem sexuellen Missbrauch durch orale, vaginale oder anale Penetration.

Hellfeld und Dunkelfeld:  

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) verzeichnet für das Jahr 2015 in Deutschland rund 12.000 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch, von denen rund 75% Mädchen und 25% Jungen betroffen sind, nicht einberechnet die Fälle von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen und Schutzbefohlenen, Kinder- und Jugendpornografie und Cybergrooming. Doch das ist nur das Hellfeld. Das Dunkelfeld liegt weitaus höher. Dunkelfeldforschungen aus den vergangenen Jahren gehen davon aus, dass jede/r Achte bis Zwölfte in Deutschland als Mädchen oder Junge sexuelle Gewalt erlitten hat.

Kontext: 
Sexuelle Gewalt findet am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt (ca. 25%) sowie im sozialen Nahraum/weiteren Familien- und Bekanntenkreis, zum Beispiel auch durch Nachbarn, Personen aus Einrichtungen oder Vereinen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen (ca. 50%). Fremdtäter (ca. 10% ohne Exhibitionismus, ca. 25% mit Exhibitionismus) sind eher die Ausnahme. Zunehmend finden sexuelle Übergriffe mittels digitaler Medien statt – in diesem Kontext nimmt die Zahl erwachsener Fremdtäter/innen sicher zu (Stichwort: Cybergrooming), es gibt aber häufig auch Übergriffe durch andere Mädchen und Jungen. Durch intensiven und oft sehr persönlichen Chatverkehr kann bei den Kindern und Jugendlichen subjektiv der Eindruck entstehen, dass es gar keine Fremden mehr sind, mit denen sie in Kontakt stehen.

Täterinnen:
Expertinnen und Experten gehen von rund 80% bis 90% Tätern und rund 10% bis 20% Täterinnen aus. Über missbrauchende Frauen wurde in Deutschland bislang wenig geforscht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sexueller Missbrauch durch Täterinnen seltener entdeckt wird, weil solche Taten Frauen und insbesondere Müttern noch immer kaum zugetraut werden. Frauen sind eher Einzeltäterinnen, missbrauchen aber auch zusammen mit einem männlichen Partner beziehungsweise unter dessen Einfluss. Sowohl Täterinnen als auch Täter missbrauchen sowohl Mädchen als auch Jungen. Der PKS für das Jahr 2015 ist zu entnehmen, dass ca. 5% des sexuellen Missbrauchs von Kindern (§§ 176, 176a, 176b StGB) von weiblichen Tatverdächtigen begangen wurde. Die Statistik enthält darüber hinaus auch diesbezügliche Zahlen für andere Straftatbestände: Bei sexuellem Missbrauch von Jugendlichen (§ 182 StGB) liegt der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen bei ca. 2%, bei sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen (§ 174 StGB) bei ca. 5%, bei Besitz/Verschaffung von Kinderpornografie bei ca. 6%, bei deren Verbreitung bei ca. 10% und bei Besitz/Verschaffung von Jugendpornografie bei ca. 14% sowie bei deren Verbreitung bei ca. 24%.

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Filmtipp:  www.diehaendemeinermutter.de  (Vorsicht: kann triggern)

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